Jörg Jenatsch - Pfarrer, Kriegsherr, Patriot?
Die Figur und das Leben können bis heute nicht geklärt werden. Man vergleicht Jenatsch mit der schillerschen Figur des Wallenstein, der sowohl seinen politischen Herrscher gegenüber Loyalität zeigte, aber auch seine eigenen Interessen verfolgte.
Vieles scheint Fiktion zu sein, die Faktenlage ist dünn, die Quellen gering. Er wurde 1596 in Samedan (oder in Lohn) geboren und 1639 in Chur ermordet.
Er war in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ein Akteur der Bündner Wirren. Das damalige Graubünden, ein politische loses Gebilde von Gotteshausbund, Oberem (oder Grauem) Bund sowie dem Richterbund. Dieser Freistaat war seit 1512 im Besitz des Untertanenlandes Veltlin, hatte keine verteidigungsfähige gemeinsame Armee und geriet aufgrund seiner geographischen Lage mit strategisch wichtigen Alpenübergänge ins Visier der europäischen Großmächte. Auf der einen Seite Frankreich, das zu der Zeit mit Venedig verbündet war. Habsburg (Spanien) mit Milano auf der anderen Seite. Dabei ging es nicht nur um wirtschaftliche Interessen, sondern es standen sich auch die Protestanten und die Katholiken gegenüber.
Auch das ENGADIN war zu der Zeit konfessionell gespalten. 60% waren konvertiert, 40% Rom-treu. Jenatsch, im Pfarrhaus von Silvaplana aufgewachsen konvertierte ebenso, nachdem er als fanatischer Gegner der spanisch-katholischen Kriegsparteien im Lager der drei Bünde sich am Justizmord an Nicolo Rusca, dem Erzbischof von Sondrio beteiligt hatte. Inzwischen war Jenatsch nicht mehr protestantischer Pfarrer sondern Kriegsherr und Kriegshändler geworden soll 1624 Pompejus Planta auf seinem Schloss Rietberg im Domleschg ermordet haben.
Dank seiner militärischen Karriere im Dienste verschiedener Kriegsmächte wurde Jenatsch wohlhabend. Als geschickt taktierender General der Drei Bünde schaffte er es mit Unterstützung Spaniens die Franzosen zum Abzug zu zwingen. Damit viel das Veltlin zurück. Der Lenker der Bündner wurde in der Faschingnacht zum 21. Januar in einer Churer Wirtschaft von maskierten Tätern erschossen und später mit Hammer- und Axthieben am Kopf rituell hingerichtet. Man vermutet als Täter spanische Agenden oder Mitglieder der Familien Planta oder Guler. Weiterführende Literatur zum Thema: "Jürg Jenatsch" von Conrad Ferdinand Mayer oder den Essay "Giorgio Guardati" von Räto Hänny oder Jenatsch`s Axe" von Randolph Head.

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